Hai-Society
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- Category: Reportagen
- Created on Thursday, 02 February 2012 10:00

Steven, oh Steven, was hast du getan? Seit „Jaws“ (so der Originaltitel des HAIßen Zelluloid-Spektakels) die Kinokassen zum Klingeln brachte, gelten Haie gemeinhin als kaltblütige Killer und Menschenfresser – und das, obwohl jährlich nur etwa zehn Menschen infolge von Angriffen der Meeresbewohner das Zeitliche seg-nen. Mehr noch: Spielbergs perfekte Bedienung der Spannungsklaviatur verankerte die Monstrosität der Raubfische derart im kollektiven Gedächtnis, dass Analytiker sogar von dadurch heraufbeschworenen Massenpsychosen, also im Unterbewusstsein abgespeicherten Ängsten vor dem Unbekannten, sprechen. Eine These, die so gut wie jeder auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen imstande ist: Denn wahrscheinlich kennen auch Sie jemanden, der sich standhaft weigert, auch nur ein paar Schritte ins Meer zu setzen – und wahrscheinlich saß dieser Jemand irgendwann in der Vergangenheit vor der Glotze, um sich den „Weißen Hai“ oder einen der zahllosen weiteren fischigen Gänsehaut-Erzeuger reinzuziehen. Solche Hasenfüße scheinen zudem auch zum Bekannten- und Freundeskreis diverser Filmschaffender zu zählen: Der Hype um den Hai als Leinwandmonster ist ungebrochen. Zu den neueren Vertretern der durchnässten Gruselware zählt Schund wie „Mega Shark vs. Giant Octopus“ (da beißt sich der Riesenhai sogar in der Golden Gate Bridge fest), „Swamp Shark“ (ein bissiges Biest frisst sich durch Landeier, die ein amerikanisches Sumpfgebiet bevölkern) und die krude Lächerlichkeit „Sharktopus“, in der das Ungeheuer als genetische Mixtur aus Hai und Riesenkrake daherkommt. Gottlob gibt’s aber auch professionelle Filme zum Thema, denen ein gewisser Unterhaltungswert nicht abzusprechen ist. In „The Reef – Schwimm um dein Leben“ versucht eine Gruppe Schiffbrüchiger, ein am Hungertuch nagendes Exemplar der Spezies abzuhängen (wir wünschen viel Glück), während sich im kürzlich im Kino gelaufenen „Shark Night 3D“ gustiöse Teenager just einen Salzsee für ihre spätpubertären Spielchen auswählen – nur um sich selbst als Hors d’oeuvre zu servieren. Der Beste der Liste: „Shark Night 3D“. Die Effekte sind spitze, Leading Lady Sara Paxton sieht zum Anbeißen aus (das denkt im Übrigen auch der Hai), und wer den Unterwasser-Grusel im Lichtspieltheater verpasst hat, kann ab 27. April dieses Jahres auf die DVD zurückgreifen. Aber eines ist klar: Die Kino-Frequenz von Haien mit Menschenfleisch auf der Speisekarte ist weitaus höher als im wahren Leben, die Realität sieht anders aus.
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