Staatsfeind
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- Category: Interviews
- Created on Monday, 30 May 2011 10:14

PENTHOUSE:
Herr Söllner, haben Sie gutes Gras dabei?
Hans Söllner:
Ich kiffe nicht jeden Tag, das ist längst vorbei. Meinen letzten Joint habe ich im Oktober geraucht.
PENTHOUSE:
Aber Sie sind doch mittlerweile seit Ihrem ersten Konzert vor 30 Jahren als der Oberkiffer schlechthin bekannt. Jetzt sitze ich da bei Ihnen zu Hause und Sie haben nicht einmal ein Gramm Gras dabei. Ist das mit dem Kiffen etwa nur Marketingstrategie?
Hans Söllner:
Ich habe nicht einmal ein Marketing. Mein Konsumverhalten hat sich verändert, und zwar, weil ich
über Jahre hinweg gelernt habe, vernünftig mit Marihuana umzugehen. Wenn ich heute rauche, dann ist das in ein Ritual eingebettet, dann hat das einen spirituellen Aspekt. Das war früher natürlich anders.
PENTHOUSE:
Laut Suchtexperten verzögert jeder Rausch die Persönlichkeitsentwicklung.
Hans Söllner:
Marihuana ist erwiesenermaßen das geringste Übel. Klar wäre eine Lebensform ohne Drogen die vernünftigste. Nur, wer kann, und vor allem, wer will das? Da muss man sich erst hinentwickeln. Deswegen muss der Konsum entkriminalisiert werden, nur dann kann ein gesunder Umgang mit der Droge passieren. Vor 30 Jahren war die Qualität des Marihuanas noch um Klassen hochwertiger als das holländische Zeug, das heutzutage angeboten wird. Das ist Gift. Die Jugend raucht es trotzdem, die kriegen nichts anderes, und zwar, weil das Ganze illegal ist.
PENTHOUSE:
Wollen Sie etwa in die Politik einsteigen? Sie klingen fast wie ein Ethikminister.
Hans Söllner:
Für die Politik bin ich überqualifiziert. Ich bin zwar nicht gebildet, aber gescheit, somit habe ich in der
Politik nichts verloren. Das heutige System, der Kapitalismus, ist doch abartig. Von jemandem, der kein Geld hat, auch noch Zinsen zu verlangen, ist Sünde. Das steht schon in der Bibel. Ein Grundgehalt fürs Leben, ein Menschengeld etwa in der Höhe von 800 Euro, würde schon viel verändern. Arbeitslose könnten endlich aus der Bittstellerposition ausbrechen. Lesen Sie Bücher! Renommierte Wirtschafter haben berechnet, dass das locker möglich wäre. Das ganze System müsste radikal geändert werden.
PENTHOUSE:
Sind Sie Anarchist?
Hans Söllner:
Eher Terrorist – ich kämpfe für eine bessere Welt und mir ist bewusst, dass die Menschen noch Anführer brauchen. Die Gefahr ist halt immer, dass wieder ein Falscher kommt.
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