Männer auf der Pirsch
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- Category: Reportagen
- Created on Wednesday, 07 December 2011 09:40
Sie werden in Volksweisen besungen. Im deutschen Nachkriegskino waren sie diCaprio, Pitt und Clooney in einem. Für ihre Gegner sind sie schießwütige Gesellen, denen die Knarre als Männlichkeitsbeweis dient. Ohne sie gäb’s keine Wildbretwochen in der Gastronomie. Die Rede ist von Jägern. Deutschen Jägern. Nach 1945 ...

Denn mit Jägerbataillonen aus dem unrühmlichsten Kapitel jüngerer deutscher Geschichte haben die 350.538 Jagdscheininhaber der Bundesrepublik
(Stand 2010) nichts am Hut. Sie übernehmen Verantwortung für Wild und Lebensräume, fungieren als Ankurbeler der Wirtschaft (deutsche Jagdpachterlöse werden auf 366 Millionen Euro pro Jahr geschätzt), laut Jagdrecht ist deren Tätigkeit eng mit der Pflicht zur Hege (Förderung von regionaler Fauna und Flora) verbunden. So ist’s wenig verwunderlich, dass sie es waren, denen in den Heimatfilmen der 1950er die Rolle derer zufiel, die den von den Wirren des Krieges geknickten Kinogängern die Illusion einer heilen, mit hehren Werten gespickten Welt vorzugaukeln hatten. In Streifen wie „Der Förster vom Silberwald“ traten Jäger als edle Kavaliere auf und damit in gewisser Weise als Nachfolger der noblen Rittergestalt des Mittelalters in Erscheinung. Auch traditionelles Liedgut kam an den Männern auf der Pirsch nicht vorbei: „Ein Jäger aus Kurpfalz“ gilt in diesem Kontext wohl als eines der besten Beispiele. Doch gerade die kurpfälzische Knallschote serviert auch eines der größten Imageprobleme der Jägerschaft auf dem Silbertablett: Lyrics wie „Der reitet durch den grünen Wald. Er schießt das Wild daher, gleich wie es ihm gefällt“ wirken beinahe wie die Quintessenz eines Pamphlets der Freunde von Bambi, Klopfer & Co. gegen die Knallerei in Wald und Wiese.
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