Gesunde Anarchie mit Wurstnase
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- Category: Kino
- Created on Monday, 30 May 2011 09:40
Seit drei Jahrzehnten ist er nun auf der Comic-Welt: Werner, der „Gas-Wasser-Scheiße“-Lehrling aus der Feder Rötger Feldmanns alias Brösel.

In der Hamburger Donnerstraße liegt sie: die „Animationsfabrik“, in der uns Feldmann (standesgemäß in knallbuntes Hemd und ausgefallenem Schlapphut gewandet) warmherzig in Empfang zu nehmen wusste. Ungeduldig trachteten wir danach, Brösel überfallsartig in Sachen Werner 2011 auszuquetschen, hatten uns aber vorerst mit einem lakonischen „Wart’ mal ab“ zufriedenzugeben. Also warteten wir ab – und was wir dann zu Gesicht bekamen, ließ uns niederbrechen: Die ersten 30 Minuten des brandneuen Werner- Films spulten sich vor unseren Augen im erstklassigen Ambiente des „Animationsfabrik“-Privatkinos ab (ein Tipp an Kinobetreiber: kupfert die Stühle ab, deren Bequemlichkeit ist unübertroffen) – und sie machten absolut Lust auf mehr. Allein der Aufbau des Plots ist klasse und prima ausgetüftelt: Die Handlung setzt im Jahre 1950 ein, Werner und Dauerrivale Holgi (ja der, der immer über das bessere Material verfügt) sind noch kleine Windelkacker, geben sich aber trotzdem schon dem Geschwindigkeitsrausch hin.
In einem unachtsamen Moment der Muttertiere legen sie los, brausen in ihren Kinderwägen den Hügel gen Städtchen hinunter – und sorgen im Zuge des verbissen geführten Baby-Rennens für ein heilloses Chaos: Ein Presslufthammer mit Eigenleben macht alles platt (die Tonspur weckt sogar Erinnerungen an den T-Rex-Auftritt im ersten „Jurassic Park“), der fahrbare Untersatz des örtlichen Milchlieferanten schlittert ins Unheil, Milchcontainer flitzen durch die Gegend – nur die beiden Auslöser des Ganzen kriegen davon nichts mit. Sie kämpfen um die imaginäre „Poleposition“ und Holgi hat aufgrund seines topmodernen „Hightech-Kinderwagens“ natürlich wieder den technischen Vorsprung.
In dieser Tonart geht’s munter weiter: Wir werden Zeuge der andauernden Konfrontation der beiden unangepassten Wurstnasen, verfolgen deren wilde Ritte in immer „technisch ausgefeilteren“ Schlitten (die Vorführung stoppte, als wir im Jahr 1966 angelangt waren – die Ära der Mopeds war gerade angebrochen) und bejubeln das stetig ansteigende Tohuwabohu, das Werners und Holgis Wettkämpfe im norddeutschen Örtchen hinterlassen. Dabei ein echtes Highlight: Eine Episode namens „Wie Werner den Bremskraftverstärker erfand“, in der sich Meister Röhrich mit einem in seiner Fresse festsitzenden Pümpel abmüht, während Werner gelassen seiner Schrauber-Leiden-schaft nachgeht – und ein Eichhörnchen parallel dazu als Running Gag um Nahrung und Leben kämpft (und sich einmal in bester Sylvester-Stallone-Manier mit einem beherzten Sprung zur Seite rettet; natürlich in actionerprobter Zeitlupe!). So dürften im Übrigen auch die restlichen rund 65 Minuten des eiskalten Werners aussehen: Dreht sich doch alles um die ewigen Rivalen Werner und Holgi, vom Schnuller bis zur Schnabeltasse – und darüber hinaus. „Das geht voll in die Zukunft, bis übers Jahr 2100 hinaus“, fügte Brösel himself dazu.
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