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Ahornblätter mit Aggressionspotenzial

Mit „How You Remind Me“ gelang ihnen vor zehn Jahren der Durchbruch, seitdem sind sie aus den Charts nicht mehr wegzudenken: Nickelback, Kanadas Rockröhren Nummer 1. Wer denkt, die Burschen wären doch eher auf der soften Seite angesiedelt, sollte mal ins neue Werk „Here and Now“ reinhören: Chad Kroeger & Co. sind plötzlich böse – rotzfrech-böse ...

Nickelback

PENTHOUSE-Audienz bei einer Lichtgestalt der gegenwärtigen Musikszene: Nickelback-Frontman Chad Kroeger, dem „Scary Jesus Man on TV“ der gitarrenlastigen Zunft. Diesen Nickname verpassten ihm mehr oder minder bibelfeste Zeitgenossen ob seiner Optik aus „How You Remind Me“-Zeiten (langes Haar, Bärtchen), mit religiös-unterwürfigen Inhalten hat die kanadische Rampensau allerdings rein gar nichts am Hut. Im Gegenteil: Auf „Here and Now“, dem siebten Longplayer der Truppe, gibt er Gas. Vollgas …

PENTHOUSE:
Was ist los mit Nickelback? Bei Songs „This Means War“ oder „Bottoms Up“ gebt ihr ziemlich Gas, das neue Album AHORNBLÄTTER MIT AGGRESSIONSPOTENZIAL Von HEINZ LACKNERwirkt gesamt betrachtet düsterer, härter und wilder. Absicht?

CHAD KROEGER:
Klar. Aggressivere, härtere Nummern, dafür noch melodischere, langsamere Songs – dieser Maxime haben wir uns diesmal verschrieben. Wenn beim Zuhörer der Eindruck entsteht, dass wir auf „Here and Now“ rotziger als früher unterwegs sind, dann war unsere Mission erfolgreich.

PENTHOUSE:
Rotzig ist ein fast zu sanftmütiger Ausdruck: Auf „This Means War“ erklärt ihr ja sogar den Krieg? Gegen wen?

CHAD KROEGER:
Das ist eine sehr gefährliche Frage, mein Freund. (lacht) Ich weiß, mit wem ich ein Hühnchen zu rupfen habe, doch soll dieses Ausgraben des Kriegsbeils für jeden frei zur persönlichen Interpretation bleiben. Im Grunde genommen ist der Song ein Kampfschrei, der bei Konflikten, die jeder durchzustehen hat, eines wissen lassen soll: Ihr werdet garantiert nicht gewinnen.

PENTHOUSE:
Aber man könnte den Text auch als Mittelfinger, der Politikern und Wirtschaftsbossen entgegengestreckt wird, interpretieren. Richtig?

CHAD KROEGER:
Zu hundert Prozent – und ich liebe diese Interpretation. Das ist das Tolle an metaphorischen Texten: Sie können für vieles stehen. Zwei rivalisierende Sport-Teams, zwei Kerle, die sich im Hinterhof die Zähne einschlagen, zwei Highschool-Kids im Kampf um ein Mädchen, zwei Staaten, denen Klingen kreuzen wichtiger als vernünftige Politik erscheint – all das kann in „This Means War“ gemeint sein. Und noch viel mehr.

PENTHOUSE:
Auch in „Bottoms Up“, einem weiteren Kracher der neuen Silberscheibe, findet sich eine verdächtige Zeile: „No one can slow us down“. Was soll das heißen? Wer hat versucht, euch zu bremsen?

CHAD KROEGER:
In erster Linie manche Frauen in meinem Leben. Abseits der Damen hat das noch keiner gewagt. (lacht) Aber ganz im Ernst: „Bottoms Up“ ist unsere Party-Hymne. Niemand soll glauben, dass wir uns beim Feiern und Saufen dreinreden lassen. Schließlich sind wir Rocker, wir haben ein Image zu erfüllen. (schmunzelt)

PENTHOUSE:
Tja, dieses Image scheint ohnehin schon gelitten zu haben. Manch Nickelback-Fan klagt, ihr hättet euch mit Weichzeichner-Singles wie „Gotta be Somebody“ oder „Someday“ ohnehin schon an den Mainstream verkauft. Ansagen, die völlig aus der Luft gegriffen sind?

CHAD KROEGER:
Na ja, wir machen eben Musik für jedermann, nicht nur für eine spezielle Zuhörerschar. In unserem Repertoire finden sich sowieso haufenweise wilde, rockige Nummern, doch wir sind der Meinung, dass auch softere Klänge nicht schaden können. Schließlich wollen wir von der Bühne aus nicht nur in Gesichter von Männern schauen. Ein paar Frauen sollen schon auch zu unseren Konzerten kommen. (lacht)

PENTHOUSE:
Gut, die kommen ja auch – und das nicht zu knapp. Im Gegenzug bekommmen Babes auf Nickelback-Konzerten Songs wie „Gotta Get Me Some“ oder „Midnight Queen“ serviert, wo eindeutig zweideutige Begegnungen von Mann und Frau besungen werden. Verarbeitet ihr dabei eigene Erfahrungen?

CHAD KROEGER:
Soll ich das wirklich verraten? Aber wir Männer kennen das doch: Man geht aus, trifft eine Frau, die einen umhaut, kommt mit ihr ins Gespräch – und danach folgt eine unvergessliche Nacht. Und ja, auch ich hatte solche Nächte! (lacht)

PENTHOUSE:
Gratuliere! Apropos unvergesslich: Auf Unvergesslichkeit setzt im Grunde genommen auch jeder Nickelback-Song. Ich zitiere Chad Kroeger: „Jede unserer Nummern muss einmalig sein. Das sind wir unseren Fans schuldig.“ Ehrlich: Haben Sie sich damit die Latte nicht selbst ein wenig zu hoch gelegt – oder ist jede Nummer tatsächlich einmalig?

CHAD KROEGER:
Nein, leider nicht. Aber zumindest haben wir es versucht. (lacht) Musik, die Gänsehaut erzeugt: Die wollen wir auf Platte pressen. Logischerweise gelingt das nicht immer, zahlreiche Songs verfügen aus heutiger Sicht über ein gerüttelt Maß an Verbesserungspotenzial. Wie es im Leben halt so ist: Nur aus Fehlern lernt man.

PENTHOUSE:
Irgendwelche Fehler, die Sie bereuen?

CHAD KROEGER:
Hm … wenn, dann einige Videos. Vor allem mein Haarstyling bei „How You Remind Me“. (lacht) Gäbe es den DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“, ich würde keine Sekunde zögern, um zurückzudüsen und mich selbst zu einem Gang zum Friseur zu verdonnern. So könnte ich mir diese „Scary Jesus Man on TV“-Vergleiche ersparen.

... lesen Sie mehr in der Dezember/Januar-Ausgabe von Penthouse

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